200 Jahre Gustav WernerbruderhausDIAKONIE - Teil haben. Teil sein.

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Theaterspaziergang

Erfolgreiche „Mensch Luther“-Aufführung

In drei ausverkauften Vorstellungen in der Reutlinger Stadtmitte ließ die integrative Theatergruppe der BruderhausDiakonie den Menschen Luther lebendig werden.

"Mensch Luther" in Reutlingen.

Anrührende Szenen begeistern die Zuschauer.

Tratschende Bürgersfrauen erklären Luthers Zeit.

"Mensch Luther" in Reutlingen.

Restlos ausverkauft

Unter tosendem Applaus ging das Theaterstück „Mensch Luther“ der integrativen Theatergruppe der BruderhausDiakonie nach drei restlos ausverkauften Vorstellungen am Sonntagabend zu Ende. Wenn die Zuschauer lachen, dann seien auch sie glücklich, erzählten die Kinder aus der Gruppe der Oberlin-Jugendhilfe, bevor sie zu Beginn des Theaterspaziergangs auf die Bühne stürmten und neugierig Fragen stellten: „Wer war Martin Luther? Was macht ein Reformator? So was wie ein Automechaniker?“ Damit hatten die kleinen und großen Naseweise die Lacher gleich auf ihrer Seite. Auch wenn die Antworten darauf nicht leicht sind.

Auf der Suche nach dem Menschen Luther

In ihrer fünften Produktion machte sich die integrative Theatergruppe auf dem Gelände der BruderhausDiakonie an der Reutlinger Gustav-Werner-Straße auf Spurensuche. Was hat dieser Martin Luther aus Wittenberg eigentlich getan, dass wir noch heute, über 500 Jahre später, von ihm sprechen und seine Taten in uns und unserer Gesellschaft nachwirken? „Die Bibel ins Deutsche übersetzt und uns eine Grundlage zum Glauben gegeben“, sagt Laiendarstellerin Martina Gugel. Roberta Bottini, sie spielt eine Nonne, kennt Luthers These, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, und dass sogar eine Nonne heiraten darf.

Mehr als ein dreiviertel Jahr Vorbereitung

Über 70 Darsteller, Menschen mit und ohne Behinderung, aus den Werkstätten, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Verwaltung und den jeweiligen Fachdiensten wirkten unter der Regie von Paul Siemt bei der szenischen Umsetzung von Luthers Leben und seiner Zeit mit. „Wir haben für alle einen Platz“, sagt Regisseur Paul Siemt, „jeder macht das, was er kann.“ Und spielt, was er will: rebellischen Bauern oder blutsaugenden Fürsten, scheinheiligen Ablasspriester oder betende Nonne, verführerische Hure oder tratschende Bürgersfrau, strengen Reformator oder kartenspielenden Stammtischbruder. Über ein dreiviertel Jahr wurde in Kleingruppen diskutiert und geprobt. Manche Laienschauspieler fuhren sogar zum Kirchentag nach Berlin, um sich zu über Luther zu informieren.

Anrührende und befreiende Momente

Erst am Wochenende vor der Aufführung wuchsen die Einzelszenen zu einem ganzen Stück zusammen, und die Zuschauer erlebten Luther, der aus Angst vor dem strafenden Gott um Erlösung bittet, Luther, der unter der Luther-Eiche mutig die päpstliche Bulle verbrennt und auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzt. „Ich kann's lesen“, flüstert zuerst einer, dann wird daraus wird ein Chor: „Ich kann's lesen.“ Das ist so anrührend, dass dem einen oder anderen Zuschauer die Augen feucht werden. Später dann heizt die Percussionsgruppe der BruderhausDiakonie dem Luther-Völkchen und den Zuschauern mächtig ein, und alle lachen wieder.

„Luther verändert“, sagt Sonja Radecke, die den Spaziergang mit rotem Schirm und lila Täschchen wie eine Stadtführerin begleitet, „und das Theater verändert uns Menschen.“ Jeder hat sein Bestes gegeben und gemeinsam ist großes Theater daraus geworden.

Marianne Mösle

 

Fotos: factum/Granville

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