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Baugrundstück in Freudenstadt erworben

Verlagerung des Standorts Schernbach wird konkret

Die BruderhausDiakonie prägte eineinhalb Jahrhunderte lang den Seewälder Teilort und engagiert sich zusammen mit der Gemeinde, Perspektiven für Schernbach zu finden.

Mitten in Freudenstadt hat die BruderhausDiakonie ein Grundstück erworben, auf dem ein Wohnhaus für 24 Menschen mit Behinderung entstehen wird. Ausschlaggebend für den Standort: eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie Einkaufs- und Infrastruktureinrichtungen in der Nähe. Damit, sagte Günter Braun, Fachlicher Vorstand der BruderhausDiakonie, sei die Verlagerung von Wohnplätzen aus der Traditionseinrichtung der BruderhausDiakonie in Seewald-Schernbach an andere Standorte im Landkreis eingeleitet.

Dass die BruderhausDiakonie den Standort Schernbach aufgibt, hat einerseits einen ganz pragmatischen Grund: Die Gebäude genügen nicht mehr den Bestimmungen der Heimmindestbauverordnung. Nur noch bis 2018 darf die BruderhausDiakonie die bestehenden Gebäude in Schernbach betreiben.

Bauverordnung und UN-Konvention

Ein weiterer Grund ist die fachliche Notwendigkeit: Menschen mit Behinderung haben häufig den Wunsch, nicht abseits auf der grünen Wiese in großen Heimen zu leben, sondern wie andere Menschen auch in den Wohngebieten der Städte und Gemeinden. Die 2009 in der Bundesrepublik in Kraft getretene UN-Behindertenrechtskonvention fordert auch für Menschen mit Behinderung Wahlmöglichkeiten beim Thema Wohnen – und weitgehende Selbstständigkeit.

Dem versucht die BruderhausDiakonie mit ihren unterschiedlichen Wohn-, Arbeits- und Betreuungsangeboten in den Gemeinden des Landkreises gerecht zu werden: Menschen sollen nicht in abgelegenen Heimen leben müssen, um die Unterstützung zu bekommen, die sie brauchen. Die Unterstützungsangebote sollen dort entstehen, wo die Menschen wohnen wollen.

BruderhausDiakonie war bisher größter Arbeitgeber

Wenn ein traditionsreicher Standort von Angeboten der Behindertenhilfe wie in Schernbach abgebaut wird, hat das Auswirkungen auf die Gemeinde – auch wenn sich der Prozess über einige Jahre zieht. Denn die Gemeinde hat über eineinhalb Jahrhunderte hinweg in vieler Hinsicht von der Einrichtung profitiert: Die von der BruderhausDiakonie betreuten Menschen mit Behinderung, die in der Einrichtung leben, sind in der Gemeinde gemeldet. Dadurch haben sich die sogenannten Schlüsselzuweisungen des Landes, also die Mittel für den Gemeindehaushalt aus dem kommunalen Finanzausgleich, deutlich erhöht.

Die Einrichtung hat Dienstleistungen und Waren nachgefragt und so zur Entwicklung des ortsansässigen Handwerks und Handels beigetragen. Infrastrukturverbes-serungen – wie in neuerer Zeit ein schneller Internetzugang – sind unter anderem auch wegen der Einrichtung der BruderhausDiakonie zustande gekommen. Die Räumlichkeiten der Einrichtung standen für Feste und kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Und nicht zuletzt ist die BruderhausDiakonie in der Gesamtgemeinde Seewald der größte Arbeitgeber.

Gemeinsame Suche nach sinnvollen Lösungen für Schernbach

„Wir sind uns bewusst, dass der Wegzug der Einrichtung aus Schernbach für die Gemeinde einen großen Einschnitt bedeutet“, sagte Günter Braun, der Fachliche Vorstand der BruderhausDiakonie. „Deshalb stellt sich die BruderhausDiakonie auch der Verantwortung für die weitere Nutzung der Liegenschaften.“ Man wolle gemeinsam mit der Gemeinde nach sinnvollen Lösungen suchen. Im Übrigen verabschiede sich die BruderhausDiakonie ja nicht aus der Region – die Arbeitsplätze wandern mit an die geplanten kleineren Standorte in Freudenstadt, Horb und Altensteig. Und die anderen Traditionsstandorte in unmittelbarer Umgebung wie Göttelfingen, wurden saniert und bleiben erhalten. Damit bleibe die BruderhausDiakonie nach wie vor einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. 

Engagement der BruderhausDiakonie ist nicht selbstverständlich

Um ihrer Verantwortung für die Entwicklung Schernbachs nachzukommen, ist die BruderhausDiakonie im Begleitkreis des sogenannten LEADER-Programms vertreten. In dieses Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums wurde Schernbach auf Antrag der Gemeinde Seewald aufgenommen. Ziel ist ein Dorfentwicklungsplan, der die städtebaulichen und öffentlichen Interessen der Seewälder Teilgemeinde Schernbach erfasst und dem Weiler nach dem Wegzug der BruderhausDiakonie eine längerfristige Perspektive eröffnet.

Dass die BruderhausDiakonie als privater Eigentümer die Entwicklung ihrer Liegenschaften der Bürgerbeteiligung und einem öffentlichen Meinungsbildungsprozess öffnet, sei nicht selbstverständlich, betonte Günter Braun. Die BruderhausDiakonie habe sich trotzdem sehr bewusst dafür entschieden. Die Ergebnisse des LEADER-Programms, die am Freitag, 28. Februar, auf der Bürgerversammlug in Besenfeld vorgestellt wurden, seien eine gute Grundlage für die weiteren Planungen, und man werde die vorgeschlagenen Optionen weiterverfolgen.

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